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Burundi

Burundi – Leiden abseits öffentlicher Wahrnehmung

Burundi gehört zu den kleineren afrikanischen Staaten und wird trotz seiner blutigen Konflikte, der humanitären Krise und extremen Armut kaum von der Weltgesellschaft wahrgenommen. Ähnlich wie im Nachbarstaat Ruanda ist die Situation des Landes geprägt von Kämpfen zwischen Hutu und Tutsi, die einhergehen mit einer mittlerweile diktaturähnlichen Führungsform. Viele Menschen im Land leiden unter Mangelernährung. Hilfe von außen ist kaum möglich.

Informationen zum Land

Aktuelle Herausforderungen:

  • Hunger
  • Naturkatastrophen
  • Regime schränkt ausländische Hilfsorganisationen ein

Burundi – Leiden abseits öffentlicher Wahrnehmung

Ähnlich wie im Nachbarstaat Ruanda ist die Situation des Landes geprägt von Kämpfen zwischen Hutu und Tutsi, die einhergehen mit einer mittlerweile diktaturähnlichen Führungsform. Viele Menschen im Land leiden unter Mangelernährung, Hilfe von außen ist kaum möglich.

KLIMA UND NATURSCHUTZ

Das Land erlebt im Jahr zwei Regenzeiten, wodurch das Klima tropisch bis wechselfeucht ist. Aufgrund der höheren Lagen sind die Temperaturen etwas gemildert und liegen zwischen 25°C und 30°C am Tag. Die westliche Grenze Burundis am Seeufer des Tanganjika wurde im Jahr 2020 von mehreren Naturkatastrophen heimgesucht, darunter Überflutung, Erdrutsche und starken Winden.

BILDUNG UND ZUKUNFT

Staatliche Schulen sind in Burundi zwar kostenlos, aber für Uniform und Schulmaterial müssen die Familien selbst aufkommen. Ein Großteil der Mädchen und Jungen muss gleichzeitig Kinderarbeit leisten, beispielsweise auf dem Feld mithelfen. Das geht auf Kosten der schulischen Bildung. Außerdem sind die Klassen der Schulen sehr voll, da es nicht genügend Lehrkräfte gibt. Auch im Bildungssystem ist Bevölkerung auf die ausländische Hilfe durch NGOs angewiesen.

INTEGRATION UND TOLERANZ

Die Bevölkerung des Landes setzt sich aus der großen Gruppen der Hutu (ca. 85 %) und Tutsi (ca. 15 %) zusammen. Der Bürgerkrieg zwischen diesen Ethnien wurde 2000 mit dem Abkommen von Arusha offiziell beendet. Allerdings gab es keinerlei Aufarbeitung der ethnischen Konflikte. Auch eine Versöhnung untereinander hat nicht stattgefunden. So bestehen die Konflikte im Land weiter, mittlerweile aber vor allem zwischen Regime und oppositionellen Kräften. Die stärkste Religion in Burundi ist der Katholizismus, dem 62 % der Bevölkerung folgen. 23 % der Menschen gehören afrikanischen Religionen an, 10 % sind sunnitische Muslime.

Derzeitige Lebensbedingungen in Burundi

Schule

Staatliche Schulen sind in Burundi zwar kostenlos, aber für Uniform und Schulmaterial müssen die Familien selbst aufkommen. Das ist aufgrund des geringen Einkommens kaum möglich. Hinzu kommen oft lange Wege zur Schule, die mit leerem Magen besonders schwer zu bewältigen sind. Deshalb vermeiden viele Kinder den Weg zur Schule und bleiben stattdessen daheim. Ein Großteil der Mädchen und Jungen muss gleichzeitig Kinderarbeit leisten, also beispielsweise auf dem Feld mithelfen. Das geht auf Kosten der schulischen Bildung.

Außerdem sind die Klassen der Schulen sehr voll, da es nicht genügend Lehrkräfte gibt. Auch im Bildungssystem ist Bevölkerung auf die ausländische Hilfe durch NGOs angewiesen.

Aufgrund der kolonialen Vorgeschichte war Französisch lange Zeit Sprache der Verwaltung und hatte Swahili als Amtssprache verdrängt. Mittlerweile werden ab dem ersten Schuljahr Englisch und Swahili gelehrt.

Medizin

Die medizinische Versorgung im Land ist schlecht, da dem Gesundheitssektor keine Finanzen zur Verfügung stehen. Im Jahr 2019 litt die Bevölkerung unter einer Malaria Epidemie mit rund 5,7 Millionen Kranken. Die Weltgesundheitsorganisation wurde des Landes verwiesen und kann die Bevölkerung nicht mehr unterstützen.

Vor allem auf dem Land gibt es kaum ärztliche Versorgung. Dies hat eine hohe Kinder- und Müttersterblichkeit zur Folge. Außerdem sterben in Burundi immer noch viele Menschen an vermeidlichen Krankheiten wie Durchfall, Malaria oder Dengue-Fieber.

Burundi verzeichnet zudem die höchsten Geburtenrate weltweit, mit einer Zahl von 5,5 Kindern pro Frau. Die Aufklärung über Sexualität oder Empfängnisverhütung ist kaum vorhanden. Hinzu kommt eine hohe sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen.Laut Ärzte ohne Grenzen liegt die Lebenserwartung bei 63,4 Jahren bei Frauen und 59,8 Jahren bei Männern.

Wasser

In Burundi sind die vom Bürgerkrieg zerstörten Strukturen nicht stark genug für den enormen Bevölkerungswachstum. Dies gilt auch für die Versorgung mit Wasser und Sanitäranlagen. Nur rund 55 % der Menschen haben Zugang zu grundlegenden Sanitäranlagen, 40 % der Bevölkerung fehlt es an Zugang zu sicherem Trinkwasser.

ErnäHrung

Rund 98 % der Menschen in Burundi können sich keine gesunde Ernährung leisten. Laut World Food Programme sind 52 % der Kinder im Land unterentwickelt. Damit verzeichnet das Land die zweithöchste Zahl an Mangelernährung weltweit. Rund 90 % der burundischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, die aber aufgrund von Dürren oder Naturkatastrophen keine zuverlässige Versorgung darstellt. Viele NGOs arbeiten an Ernährungsprogrammen in Schulen vor Ort, damit die Mädchen und Jungen dort versorgt werden und gleichzeitig lernen können.
Geographie

Geographie

Burundi liegt im Osten Afrikas und grenzt an die Länder Ruanda, Tansania und die Demokratische Republik Kongo. Die Ländergrenze zum Kongo verläuft dabei im Tanganjikasee. Seit 2019 ist Gitega die Hauptstadt des Landes.

In den Bergen Burundis, zwischen Ruanda und Tansania, entspringt der Nil, der von dort aus Richtung Nordafrika fließt.

Die westliche Grenze Burundis am Seeufer des Tanganjika wurde im Jahr 2020 von mehreren Naturkatastrophen heimgesucht, darunter Überflutung, Erdrutsche und starken Winden (Quelle: bpb).

Das Land erlebt im Jahr zwei Regenzeiten, wodurch das Klima tropisch bis wechselfeucht ist. Aufgrund der höheren Lagen sind die Temperaturen etwas gemildert und liegen zwischen 25°C und 30°C am Tag.

Was bedroht die Menschen in dem Land?

Neben der instabilen politischen Situation werden die Menschen von Naturkatastrophen bedroht. Durch Überschwemmungen und schlechte Ernten steht einem Großteil der Bevölkerung keine ausreichende Nahrung zur Verfügung, sodass viele sich auf die Flucht in andere Landesteile oder in Nachbarstaaten begeben. Gleichzeitig leben viele kongolesische Geflüchtete in Burundi, sodass die Konkurrenz um die Versorgung immer größer wird.

Das diktatorische Regime erlaubt keine Unterstützung durch ausländische NGOs, sodass die Mangelernährung, schlechte Bildung und Korruption im Land kaum bekämpft werden kann. Die burundische Bevölkerung ist zum Überleben völlig auf sich allein gestellt.

Bildung

Geschichte

Das Königreich Burundi entstand im 15. Jahrhundert als gut organisierte Monarchie, die eine Gruppe von Bewohner:innen in der Sprache Kirundu vereinte.

Im Zuge der Aufteilung Afrikas durch die Kolonialbesatzungen, wurde Burundi der Kolonialmacht Deutschland zugeteilt und gehörte fortan zu Deutsch-Ostafrika. Im ersten Weltkrieg eroberte Belgien das Land und teilte es dem Mandatsgebiet Ruanda-Urundi zu. Erste binnenländische Unruhen zwischen den ethnischen Gruppen wurden von der belgischen Besatzung anfangs unterdrückt.

Im Jahr 1962 entließ Belgien das Land in die Unabhängigkeit. Burundi wurde 1966 zu Republik. Dennoch gingen die blutigen Machtkämpfe zwischen der Bevölkerungsmehrheit der Hutu und der Minderheit Tutsi weitere. Letztere dominierten durch drei aufeinanderfolgende Präsidenten in den Jahren 1966 bis 1993 die Politik und die Wirtschaft des Landes. Auch im Nachbarland Ruanda kämpften die Gruppen gegeneinander, sodass einige Tutsi von dort die Flucht nach Burundi wagten.

In den 1970er Jahren wurde ein Putschversuch der Hutu blutig niedergeschlagen und forderte geschätzt bis zu 250.000 Opfer. 1988 folgte ein Massaker an der Tutsi-Mehrheit, woraufhin die von Tutsi dominierte Armee weitere 10.000 Hutu ermordete. Auf internationalen Druck öffnete der damalige Präsident Pierre Buyoya daraufhin das politische System und ließ auch Hutu in die Politik einziehen. Deren Partei FRODEBU gewann im Jahr 1993 die ersten demokratischen Wahlen. Die geordneten politischen Strukturen währten allerdings nicht lange, da die gesamte politische Führung inklusive des Präsidenten einem Putschversuch zum Opfer fiel, dem ein blutiger Bürgerkrieg folgte. Hier kämpfte die von Tutsi dominierte Armee gegen Rebellen aus Hutu-Kreisen. Mehr als 300.000 Menschen wurden getötet; Hunderttausende flohen in die Nachbarländer.

Erst das Abkommen von Arusha im Jahr 2000 und ein Waffenstillstandsabkommen 2003 brachten Ruhe zwischen die 19 Konfliktparteien des Landes. Neun Jahre später legte die Rebellenbewegung ihre Waffen nieder. Im Jahr 2005 wurde mithilfe internationaler Akteure eine neue Verfassung formuliert, die mithilfe eines 60:40-Proporz zwischen Hutu und Tutsi eine ausreichende Repräsentation der Tutsi in der Regierung schaffen sollte. So sollten beide Gruppen in Regierung, Parlament und öffentlicher Verwaltung vertreten sein. Als neuer Präsident wurde Evariste Nkurunziza gewählt, der aber die schlechte Lebenssituation für den Großteil der Bevölkerung nicht verbesserte. Mit seiner Wiederwahl im Jahr 2010 stärkte er die Macht seiner Partei, der CNDD-FDD („Conseil National pour la Défense de la Démocratie – Forces de Défense de la Démocratie“).

Ökonomie

Ökonomie

Da die Bevölkerung schneller wächst als die Wirtschaft, haben viele ausgebildete Fachkräfte keine berufliche Perspektive im Land. (bpb) Das größte Einkommen wird durch Landwirtschaft eingebracht.

Im Jahr 2019 hatte Burundi mit geschätzt 270 $ pro Kopf das niedrigste Bruttoinlandsprodukt weltweit. Laut Aktion Deutschland hilft leben rund 65 % der Menschen unterhalb der Armutsgrenze.

Bis zum Jahr 2015 wurden rund 50 % des Staatshaushaltes durch Zuwendungen aus dem Ausland belegt, die aber aufgrund der politischen Konflikte gestoppt wurden. Seitdem liegt die Staatsverschuldung bei knapp 50 % des BIP, die Prognose ist steigend.

Bildung

HERAUSFORDERUNG POLITISCHE STABILITÄT

Im Juli 2015 standen Präsidentschaftswahlen an, zu denen sich Nkurunziza erneut aufstellen ließ, obwohl die Verfassung lediglich zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten vorsieht. Auf diese Widersetzung gegen die Verfassung folgten Proteste gegen Nkurunziza, unter anderem von neu formierten Rebellengruppen, die jedoch vom Regime brutal niedergeschlagen wurden. Das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beendete infolge dessen die Zusammenarbeit mit der burundischen Regierung und der Polizei vor Ort. Rund 450.000 Menschen flohen daraufhin in die Nachbarländer. Rund Dreiviertel davon wagen sich aufgrund von drohender Gewalt, Folter und Repression bis heute nicht zurück in ihr Heimatland.

Auch oppositionelle Politiker:innen müssen seit 2015 um ihr Leben fürchten, werden verfolgt, verhaftet oder hingerichtet. Regimekritische Parteien wurden sofort untersagt. Zudem können NGOs im Land kaum noch frei arbeiten. Sie werden stark überwacht und sollen die ethnische Zugehörigkeit ihrer Mitarbeitenden offenlegen, was viele Organisationen verweigern. So kann trotz der verheerenden Situation für die Bevölkerung keine adäquate humanitäre Hilfe geleistet werden.

Trotz Corona-Pandemie fanden im Mai 2020 erneut Präsidentschaftswahlen statt, bei denen Evariste Ndayishimiye als Kandidat der Regierungspartei mit knapp 69 % der Stimmen als Sieger hervorging und Nkurunziza ablöste. Der Herausforderer wurde mit rund 24 % der Stimmen gewählt. Allerdings gab es keine internationale unabhängige Wahlbeobachtung; Augenzeug:innen berichten von Unstimmigkeiten; Oppositionelle wurden bedroht. Aufgrund der fehlenden Pressefreiheit in Burundi lässt sich nicht nachvollziehen, welche Informationen über den Wahlhergang korrekt sind (vgl. bpb).

Der neue Präsident Ndayishimiye kam erst liberal daher, ernannte dann aber zwei Minister in seine Riege, die auf Sanktionslisten der EU und der USA verzeichnet sind. Weitere Führungspositionen sind mit Männern besetzt, denen Gewalttaten während vergangenen politischen Konflikten nachgesagt werden. Zudem ist im Kabinett kein Mitglied der Opposition vertreten.

Viele unabhängige Organisationen beklagen seitdem immer wieder Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Gewalt und willkürliche Verhandlungen. 2018 verbot die Regierung ausländische NGOs im Land, sofern diese nicht Krankenhäuser oder Schulen unterhalten.

Quellen:

Ärzte ohne Grenzen e. V.: Unsere Hilfe in Burundi; URL: https://www.aerzte-ohne-grenzen.de/unsere-arbeit/einsatzlaender/burundi (zuletzt aufgerufen am: 28.01.2022)

bpb: Bundeszentrale fuer politische Bildung. Julia Grauvogel (2020):Burundi – Aktuelle Konfliktsituation; URL: https://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/212902/burundi (Stand: 05.10.2020)

statista. Burundi: Gesamtbevölkerung von 1980 bis 2016 und Prognosen bis 2026(in Millionen Einwohner); URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/417594/umfrage/gesamtbevoelkerung-von-burundi/ (Stand: 21.01.2022)